Strompreise und Wettbewerb

Die wahren Kostentreiber bei den Strompreisen.

17. Mai 2004

 


Vorgeschobene Argumente für Strompreisanhebungen


Mit der Liberalisierung des deutschen Strommarktes 1998 sanken die Strompreise für Haushaltskunden zunächst um etwa sieben Prozent. Danach folgte leider immer wieder das gleiche Spiel: Die Stromversorgungsunternehmen verkünden alljährlich höhere Strompreise und überschreiten mittlerweile das Niveau vor der Liberalisierung. Zur Begründung werden seitens der großen Energieversorger gerne die Ökosteuer oder die Erneuerbaren Energien herangezogen. Das ist mehr als unredlich. Wenn man alle umweltbezogenen Abgaben zusammenrechnet, die im Strompreis enthalten sind, kommt man für das Jahr 2003 auf einen Anteil von weniger als drei Cent je Kilowattstunde – dies entspricht etwa 15 Prozent des Strompreises (Link: Zusammensetzung des Strompreises). Diese ökologischen Aufwendungen sind berechtigt, weil sie der Volkswirtschaft und dem Klimaschutz nützen.



Der wahre Preistreiber - ein brachliegender Wettbewerb


Die wesentliche Ursache für steigende Preise liegt anderswo: in dem weiterhin brachliegenden Wettbewerb, im Stromvertrieb und einem Strommarkt, der zu 90 Prozent von vier großen Energieversorgern beherrscht wird. Sie diktieren den Börsenpreis und kassieren alljährlich Traumrenditen durch das Stromgeschäft. Für zu hohe Strompreise in Deutschland ist der Umweltschutz also nur geringfügig verantwortlich – Kostentreiber Nummer eins bleibt der mangelnde Wettbewerb auf dem Strommarkt.



Die Kostenanteile im Einzelnen:


Nutzungsentgelte für das Stromnetz

 

Die Netznutzungsentgelte liegen derzeit für Haushaltskunden bei über sechs Cent je Kilowattstunde und haben damit einen Anteil von mehr als 30 Prozent am Strompreis. Sie sind in den vergangenen Jahren in Deutschland erheblich gestiegen und liegen für Tarifkunden nach Angaben von Expertenkreisen und Verbraucherverbänden etwa zwei bis drei Cent je Kilowattstunde höher als im europäischen Vergleich. Allein dieser erhöhte Differenzbetrag ist so hoch wie alle Umweltabgaben zusammen. Bündnis 90/Die Grünen setzen sich dafür ein, dass eine Wettbewerbsbehörde missbräuchlich überhöhten Netznutzungsentgelten entgegentritt. Dieses wollen wir im Energiewirtschaftsgesetz verankern.

 

Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG)

 

Pro Privathaushalt betragen die Mehraufwendungen für die Erneuerbaren Energien derzeit etwa einen Euro im Monat. Im Jahr 2003 betrugen die Mehrkosten etwa 0,4 Cent je Kilowattstunde. Der Anteil des EEG am Strompreis beläuft sich also nur auf etwa zwei Prozent. Zukünftig werden die Mehraufwendungen für die erneuerbaren Energien nach Berechnungen des Umweltministeriums auch nicht ins "Uferlose" steigen, sondern bis ca. 2008 nur moderat zunehmen (auf ca. 0,5 – 0,6 Cent je Kilowattstunde) und danach deutlich absinken.

 

Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz (KWK-G)

 

Bei der Kraft-Wärme-Kopplung wird die bei der Stromerzeugung entstehende Wärmeenergie gleichzeitig genutzt – im Gegensatz dazu wird sie in normalen Kraftwerken einfach ins Kühlwasser oder in die Luft abgeleitet. Die Kraft-Wärme-Kopplung sorgt also dafür, dass Energie nicht unnötig verschleudert wird. Die erhöhten Aufwendungen für einen Mehrpersonenhaushalt durch die KWK-Förderung betragen etwa 0,3 Cent je Kilowattstunde. Das sind ebenfalls weniger als zwei Prozent Anteil am Stromendpreis.

 

Ökosteuer

 

Mit der Einführung der Ökologischen Steuerreform im Jahr 1999 wurde bis 2003 in jährlichen Stufen insgesamt ein Aufschlag von 2,06 Cent je Kilowattstunde erhoben (1999: 1,02 / 2000: 0,26 / 2001: 0,26 / 2002: 0,26 / 2003: 0,26). Im Jahr 2004 gibt es keine weitere Erhöhung mehr. Der Anteil der Ökosteuer am Endpreis beträgt etwas über zehn Prozent. Die Mittel werden zur Senkung der Rentenversicherungsbeiträge verwendet und liefern einen Beitrag zum Umweltschutz und zur Energieeinsparung.



Was hilft : Energiesparen schont die Umwelt und den Geldbeutel


 

Viele Elektrogeräte lassen sich nicht mehr ausschalten, sondern nur noch in einen Leerlaufbetrieb (Stand-by) versetzen. Sie verbrauchen daher auch in der nicht genutzten Zeit viel Strom. Ein Haushalt mit durchschnittlicher Ausstattung hat einen zusätzlichen Stromverbrauch von rund 440 Kilowattstunden im Jahr und somit vermeidbare Kosten von etwa 80 €jährlich. Diese können Sie minimieren, indem Sie die Geräte richtig ausschalten. Neben dem einfachen Stecker herausziehen bietet eine Steckerleiste mit Schalter erste Hilfe. Beim Neukauf sollten Sie auf energiesparende Geräte achten.

 



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